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11. DON BOSCO STAMMTISCH

 

28. März 2007

 

P. Dr. h.c. Karl Oerder SDB

Mission Don Bosco
- ein Tropfen auf dem heißen Stein?

 

Beim ersten Stammtisch des neuen Sommersemesters besuchte uns der frühere Missionsprokurator und jetzige Beauftrage für Missionarische Animation P. Karl Oerder. In seiner gewohnt herzlichen, fesselnden und charismatischen Art ließ er uns an seiner 25jährigen Erfahrung als Prokurator teilhaben. In dieser Zeit reiste P. Oerder in über 67 Ländern, in denen die Salesianer Don Boscos ihre Projekte betreiben. Viele konkrete Beispiele konnten damit seinen Vortrag lebendig verdeutlichen.

 

Der Chemiker und seine Formel

P. Oerder erzählte uns von seinem Weg zu der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos, der einen gar nicht so typischen Verlauf nahm. Aufgewachsen in einer sehr katholisch geprägten Familie, wurde der Glaube des jugendlichen Karl Oerders nicht mehr so wichtig. Er entschloss sich zum Chemiestudium und erlebte dort, wie sein Lehrer bei einer Explosion beide Arme verlor. Fortan stand ihm P. Oerder als Assistenz zur Seite. Die Zielstrebigkeit seines Lehrers waren die Ursache für ein "Berufungserlebnis". Als er den Invaliden einmal fragte, wie er denn so gut mit seiner Situation zurechtkomme, antwortete ihm dieser: "Der Herrgott hat mir beide Arme genommen, da wird er mich schon nicht verhungern lassen". Dieses Erlebnis bewegte den jungen Studenten Karl Oerder so sehr, dass er dem Ruf des Herrn folgen wollte. Es war wieder jener invalide Lehrer, der ihm dann sagte: "Du solltest Theologie studieren". So kam Karl Oerder zu den Salesianern Don Boscos, legte 1953 seine erste Profess ab und wurde am 29.Juni 1961 in Benediktbeuern zum Priester geweiht.

Als Salesianer Don Boscos hat er dann eine wichtige Formel entwickelt, "dagegen ist die von Einstein nichts", sagt P. Oerder selbst. Die Formel lautet: E + M = F.

 

Entwicklung + Mission = Frieden

Entwicklung bedeutet die Förderung, Hilfestellung in den verschiedenen Problemlagen der armen Länder. Aber Entwicklung ohne Mission wäre einseitig. Viele Leute verstehen unter Mission lediglich das Spenden. Gerade im missionarischen Bereich spielt die Kirche und das christliche Menschenbild eine große Rolle. "Gott ist Mensch geworden, damit es auch hier auf der Erde menschlicher zugeht", so P. Oerder. Freilich hat in der Geschichte selbst die Kirche diese Menschlichkeit oft nicht beachtet. Dieses dunkle Kapitel der Kirchengeschichte darf man nicht verdrängen, darüber muss ehrlich gesprochen werden. Von der Wichtigkeit der Kirche, die von ihrem Wesen her missionarisch ist, zeugen viele Persönlichkeiten, wie z.B. der deutsche Salesianer P. Rudolf Lunkenbein.

 

P. Rudolf Lunkenbein - Ein Kämpfer für die Rechte der Indianer

Am 15. Juli 2006 jährte sich der 30. Todestag von P. Rudolf Lunkenbein. Da er ein ehemaliger Benediktbeuerer ist, war es P. Oerder ein besonderes Anliegen, von ihm zu erzählen. Der aus Ebensfeld bei Bamberg stammende P. Lunkenbein studierte in Benediktbeuern, wo er 1971 auch zum Priester geweiht wurde und ging dann 1973 in die Mission nach Mato Grosso (Brasilien) zu den Bororo Indianern in Meruri. Der einstmals große Stamm der Bororo (über 1 Mio.) war auf ca. 300 Leute geschrumpft und beschloss, den Stamm aussterben zu lassen. Hintergrund waren auch die weißen Siedler, welche das Land immer mehr in Besitz nahmen. P. Lunkenbein wollte die Indianer vor einer unrechtmäßigen Abtretung ihres Landes schützen, forderte Landvermessungen und Schutzzonen und bekam so den Zorn der Großgrundbesitzer zu spüren. Am 15. Juli 1976 kam es am frühen Morgen zu einem Aufstand, es vielen Schüsse, die P. Lunkenbein tödlich trafen. Der Mord an dem 37jährigen Salesianerpater konnte nie aufgeklärt werden. Sein Tod veranlasste aber auch die Bororo Indianer, sich nicht aufzugeben. "Heute ist wieder Leben im Stamm der Bororo, es gibt viele Kinder", erzählt P. Oerder, "denn die Bororo hocken ja nicht auf den Bäumen, sondern haben sich genauso entwickelt". Salesianische Projekte versuchen heute immer noch, die Indianern bei der Einforderung ihrer Rechte zu unterstützen.

 

Erfahrungen eines Globetrotters

P. Karl Oerder erzählte uns dann noch in kleineren Beispielen und mit viel Bildmaterial, von vielen Erlebnissen, die ihn bewegten.

Seine Erfahrungen hat er auch in dem Buch "Erfahrungen eines Globetrotters. 30 Jahre Einsatz im Geiste Don Boscos" zusammengefasst, das im Oktober 2006 im Don Bosco Verlag erschienen ist.

Materialen, Unterlagen und auch viele von P. Oerder gemachte Filme können bei der Missionsprokur in Bonn bestellt werden

 

Viele persönliche Erfahrungen auch der anwesenden Studenten/-innen, welche selbst einmal als Volontäre/-innen in der missionarischen Arbeit tätig waren, ergänzten die Ausführungen P. Oerders.

 

Es war ein gelungener Abend, der alle Beteiligten nachdenklich stimmte, aber auch dazu motivierte, sich dieses für die Kirche wichtige und wesentliche Thema anzunehmen. Dazu trug nicht zuletzt wieder das gute Essen bei, das diesmal vom Team rund um Martina Fuchs zubereitet wurde.

 

[Bilder]

Texte von P. Oerder:

[Don Bosco Jugend und Sozialarbeit unter Minderheiten PDF 30 KB]

[Entwicklungshilfe - Tropfen auf dem heissen Stein PDF 33 KB]